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Breitband-Internet für den Mittelstand: Zugang, Anwendungen, Einführung


Breitbandzugänge und Anwendungen für den Mittelstand

Für internationale Konzerne ist eine internationale Arbeitsteilung mit Partnern rund um den Globus längst Wirklichkeit.

Dabei ist ein wichtiges Steuerungsmedium zum Austausch von Ergebnissen und zur Sicherstellung einer verzahnten Zusammenarbeit ein weltweites Breitbandnetz, mit dem hohe Datenmengen sicher und schnell weitergeleitet werden.

Der Breitband-Zugang zum Internet wird immer mehr zur Commodity, gleichzeitig liegt Deutschland in der Breitband-Durchdringung noch zurück. Nach ADSL wird jetzt über VDSL mit 50 MBit/s. und Glasfaseranschlüsse mit 100 MBit/s diskutiert. Was ist für den Mittelstand davon sinnvoll, welche Voraussetzungen müssen für einen Einsatz erfüllt werden? Soll der Unternehmer jetzt einsteigen oder die weitere Entwicklung abwarten?

Breitbanddurchdringung in Deutschland
Für internationale Konzerne ist eine internationale Arbeitsteilung mit Partnern rund um den Globus längst Wirklichkeit. Dabei ist ein wichtiges Steuerungsmedium zum Austausch von Ergebnissen und zur Sicherstellung einer verzahnten Zusammenarbeit ein weltweites Breitbandnetz, mit dem hohe Datenmengen sicher und schnell weitergeleitet werden.

Die technische Basis für diese Dienste sind digitale Netze auf der Basis des IP (Internet Protocol) Standards. Aus Gründen der Sicherheit gegen Abhörens und zur Realisierung eigener Dienste werden Leitungen von anderen Netzbetreibern zu einem privaten Netz (VPN – Virtual Private Network) aufgebaut.

Was heute bei Konzernen bereits Standard ist, stößt bei mittelständischen Unternehmern teilweise noch auf Unverständnis und fehlende Bereitschaft. Nicht von ungefähr ist Deutschland in der Nutzung von Breitbanddiensten weit abgeschlagen im hinteren Feld der anderen europäischen Staaten. Nur ca. 20 % der Telefonhauptanschlüsse werden derzeit für Breitbanddienste genutzt, dabei könnten heute schon über 80 % aller Anschlüsse hierfür genutzt werden. Um höhere Nutzungsraten zu finden, braucht man gar nicht so weit zu suchen. Die Niederlande führen die Riege der intensiven Nutzer in Europa mit 45 % an und selbst Portugal liegt mit einer Durchdringung von 27 % deutlich vor Deutschland. Offensichtlich haben viele Unternehmer noch nicht den Nutzen des professionellen Breitbandeinsatzes erkannt. Für ein Land, das sich rühmt Exportweltmeister zu sein, ist das eine gefährliche Einstellung!

Breitband-Anwendungen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit
Warum ist die Nutzung von Breitbandapplikationen ein Wettbewerbsvorteil, mit den bisherigen schmalbandigen Technologien auf der Basis von ISDN mit 64 KBit/s oder gar mittels Fax-Kommunikation funktionierte das Geschäft doch auch? Ist Breitband ab 1 MBit/s nicht nur für bunte und flimmernde Darstellungen auf der Homepage oder zum Herunterladen von Musik und Filmen erforderlich?

Der Download von Musik und Filmen hat im Privatbereich die Verbreitung und das nach wie vor schnelle Wachstum der Breitbandanschlüsse beflügelt. Außer für die Medienunternehmen hat dies aber nichts mit einer kommerziellen Breitbandnutzung zu tun. Vielmehr geht es um Effizienzsteigerungen im Geschäftsablauf und um Wettbewerbsvorteile. Die bunte Gestaltung der Homepage – vielleicht sogar angereichert um bewegte Bilder (Videostreamings) – als Erweiterung der bisherigen Werbeaktivitäten ist daher auch nur ein Teilaspekt der Antwort auf die Frage nach der Anwendung.

Wussten Sie, dass 30 % der Internetnutzer Transaktionen über das Internet tätigen? Dies sind natürlich Musikdownloads, CDs, Filme, Bücher und Klingeltöne, es sind aber auch Auktionen, Reisebuchungen, Veranstaltungen und in zunehmendem Maße Einkäufe von Consumgütern. Selbst Medikamente, Kleidung und Pflanzen werden über das Internet gehandelt. Die durchschnittliche tägliche Nutzungszeit des Internets wächst seit Jahren stetig mit ca. 10 bis 15 %! Können Sie es sich leisten, diese Potenziale auf der Kundenseite außer Acht zu lassen? Selbst als Fachhändler kann man so seinen Einzugsradius erweitern und durch höhere Absatzzahlen niedrigere Einkaufspreise aushandeln.

   

Neben der Vertriebsseite gibt es eine Reihe weiterer Einsatzfelder für Breitbanddienste:

· Anbindung von verschiedenen eigenen Standorten oder von Geschäftspartnern (auch über Ländergrenzen hinweg)

· Automatisierung von Abläufen

· Durchgängigkeit der Unternehmensnetze mit entsprechenden Übergängen

· Sicherung und Auslagerung von wichtigen Daten

· Auffinden und Kooperieren mit entfernten Geschäftspartnern z.B. für Entwicklung, Einkauf, Produktion, Veredelung oder Vertrieb

· Einrichten von Heimarbeitsplätzen

· Schnelle und weltweite Informationsbeschaffung

· Ansprache neuer Kundensegmente

· Internationale Vergleiche beim Einkauf von Vorprodukten

· ...

Der Einsatz von funkgestützten Breitbandanschlüssen macht diese Anwendungen portabel, so dass der Laptop auch an wechselnden Orte unter Nutzung des Breitbandzugang eingesetzt werden kann. Dies ist nicht nur für Privatpersonen von Interesse, sondern auch für Unternehmen mit mobilen Mitarbeitern bei der Arbeit innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens. Für Servicemitarbeiter im Außendienst besteht innerhalb des versorgten Gebietes die Möglichkeit, auf der Baustelle oder beim Kunden auf Internetinformationen und Unternehmensserver zurück zu greifen, z.B. auf Kundenakten, Konstruktionspläne, Lagerbestände, Funktionsbeschreibungen, Lieferdauer, etc.. Auf diese Weise können unnötige Fahrten und telefonische Klärungsversuche entfallen.

Auswahl bei den Zugangstechnologien
Bei den meisten Anwendern ist der Breitbandzugang zum Internet ein Synonym für DSL (Digital Subscriber Line), eine im wesentlichen von der Deutschen Telekom vermarkteten Technik. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wird der deutsche Breitbandmarkt von DSL dominiert. DSL wird im Bandbreitenbereich von 1 – 6MBit/s angeboten, die Deutsche Telekom bereitet die Einrichtung von ersten VDSL-Anschlüssen mit einer Bandbreite bis 50 MBit/s in Ballungsgebieten vor. Alternative Technologien wie z.B. die Nutzung des Fernsehkabel-Netzes, Powerline über das Stromverteilnetz und funkgestützte Zugänge spielen bis heute kaum eine Rolle. Diese Situation ist eigentlich nicht verwunderlich, da DSL in den verschiedenen Ausprägungen (synchron oder asynchron) die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) als physischen Zugang zum Kunden nutzt und gleichzeitig ca. 97 % aller Teilnehmeranschlussleitungen der Deutschen Telekom gehören.

Neben den terrestrischen Breitbandzugängen gibt es schon seit längerem die Möglichkeit über Funk ins Internet zu kommen. Dies ist sowohl mit Mobilfunk nach GSM-Standard (z.B. mittels GPRS) möglich als auch nach UMTS-Standard. Diese Alternativen bieten allerdings eine deutlich niedrigere Bandbreite (unter 1 Mbit/s.) als leitungsgebundene Technologien und sind im Durchschnitt erheblich teuerer. Mit dem neuen Übertragungsstandard nach HSDPA werden mobil im Download theoretische Bandbreiten von bis zu 7 MBit/s möglich. Gerade in ländlichen Gegenden, in denen die DSL-Infrastruktur noch nicht ausgebaut ist, findet man derzeit noch deutliche Lücken im UMTS-Netzaufbau.

Der Satellit hat im Vergleich zur terrestrischen Infrastruktur den Vorteil, dass die Bandbreiten nicht Standort-abhängig sind und die Versorgung grundsätzlich in der gesamten Fläche gegeben ist. Allerdings bedeutet die im Verhältnis niedrige Bandbreite und die höheren Kosten für die Nutzung faktisch eine Einschränkung auf bestimmte Zielgruppen und spezielle Anwendungsbereiche .

Im Umfeld der Funksysteme gibt es einige konkurrierende Systeme für einen Breitbandzugang. Vor einigen Jahren wurde der Zugang über WLAN (Wireless Local Area Network) intensiv diskutiert und im Konkurrenzkampf der Anbietern, allen voran die Mobilfunknetzbetreiber, wurden viele Hotels, Flughäfen, Bahnhöfe, Messegelände und Innenstadtlagen mit WLAN-Hotspots ausgerüstet. Die Reichweite der WLAN-Hotspots ist allerdings mit Radien von kaum mehr als 100 m sehr gering.

Auf höhere Reichweiten bringen es die Technologien auf der Basis UMTS-TDD und WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access). Mit beiden Funktechnologien lassen sich Zellen mit Radien im Bereich von 1 – 5 km, theoretisch sogar bis zu 50 km, aufbauen. Es handelt sich allerdings auch um recht komplexe Funksysteme, die grundsätzlich mit den Technologien von GSM oder UMTS vergleichbar sind. Nach dem bis Februar 2006 leider etwas unglücklich gelaufenen Lizenzvergabeverfahren ist zur Zeit noch offen, ob bis Ende 2006 tatsächlich die erforderlichen Frequenzen vergeben werden.

Für geschlossene Nutzergruppen wie z.B. Polizei, Feuerwehr, Industrieunternehmen, Versorgungsunternehmen gibt es mit Tetra einen internationalen Standard der auch für Datenfunk geeignet ist und auf einem digitalem Funksystem basiert. Tetra-Netze sind als technologisches Nachfolgesystem für den analogen Betriebsfunk zu sehen.

Der optimale Zugang zu den Breitband-Diensten stellt der Glasfaser-Anschluss bis zum privaten oder gewerblichen Verbraucher dar. Hiermit können problemlos 100 MBit/s übertragen werden. Dies reicht für die heutigen und absehbaren Anwendungen einschließlich des Fernsehempfangs aus. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis Glasfaseranschlüsse in größerem Umfang zur Verfügung stehen. Netcologne hat als einer der ersten Anbieter angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 129.000 Häuser und Unternehmen um zu rüsten.

Verfügbarkeit der verschiedenen Zugangstechnologien
Über den im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellten „Breitbandatlas“ ( www.breitbandatlas.de) lässt sich auf Postleitzahlebene feststellen, welche Zugangstechnologie derzeit verfügbar ist. In einigen Regionen wird sich ergeben, dass noch kein Breitbandzugang verfügbar ist. Dies sind u.a. solchen Gebieten, in denen die Teilnehmeranschlussleitung in Lichtwellenleitertechnik (OPAL – Optische Anschluss-Leitung) ausgeführt wurde. Dies trifft sogar noch auf eine Reihe von Städten (z.B. Karlsruhe, Mannheim, Teilen von Berlin, Jena, Potsdam, Leipzig, Dresden, ... ) zu, aber auch auf einzelne Stadtteile und Gewerbegebiete. Bis Ende 2006 werden diese Regionen im Zuge einer Nachrüstung, die von der Deutschen Telekom mittlerweile aktiv voran getrieben wird, aber voraussichtlich auch in der Lage sein, den DSL-Dienst zu nutzen. Auch mit Hilfe von funkgestützten Lösungen können in den bislang nicht mit DSL erschlossenen Regionen schnell Alternativen geschaffen werden.

Wenn in der Zielregion heute noch kein Funknetz vorhanden ist, lohnt es sich, mit den verschiedenen Anbietern Kontakt auf zu nehmen. Sollte man hierbei schon eine Reihe eigener Nutzer oder anderer Interessenten mitbringen, so kann es für einen der Access-Netzbetreiber durchaus interessant sein, eine neue Funkzelle auf zu bauen. Je nach Anzahl der interessierten Nutzer kann man auch auf die Auslegung der Zelle Einfluss nehmen. Die Zahl der erforderlichen Interessenten hängt generell vom Aufwand beim Aufbau und laufenden Betrieb ab. Es ist durchaus möglich, eine Funkzelle schon mit ca. 500 Nutzern wirtschaftlich zu betreiben.

Kosten für die Nutzung von Breitbandzugängen
Die bekannten Preise für einen DSL-Dienst mit 1 Mbit/s. liegen bei einem Anschlusspreis von ca. € 50 und einer monatlichen Flatrate für Connectivity und IP-Dienst in etwa gleicher Höhe. Die Preise der einzelnen Anbieter schwanken natürlich je nach Strategie des Anbieters und ein Preis- Leistungsvergleich lohnt sich grundsätzlich immer. Generell gibt es keinen erkennbaren Unterschied in den Preisen für einen leitungsgebundenen oder funkgestützten Breitbandzugang. Zugänge auf der Basis von Mobilfunk oder Satellit sind in der Regel teuerer.

Spezielle Anforderungen an die „Quality of Service“, z.B. zur hochwertigen Sprachübertragung nach VoIP (Voice over Internet Protocol), zur Einrichtung privater Netze (VPN – Virtual Private Network) oder zur Verfügbarkeit z.B. zur Videoübertragung sorgen für höhere Preise und müssen mit den Anbietern ausgehandelt werden.

Derzeit wird für die Portabilität funkgestützter Anschlüsse noch kein Zuschlag erhoben. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Anbieter dann ein differenziertes Preissystem anbieten, wenn die Portabilität bei einer größeren Versorgungsdichte auch für den Anwender interessanter wird.

Während leitungsgebundene DSL-Modems in der Basisversion häufig subventioniert (teilweise sogar kostenlos) angeboten werden, sind die Funkmodems aufgrund der geringen Stückzahlen noch recht teuer und werden als separate Modems mit eigener Stromversorgung und Anbindung über USB oder als PCMCIA-Karten angeboten. Die Preise bewegen sich heute bei € 250 – 500 pro Gerät. Eine deutliche Preisreduktion ist erst dann zu erwarten, wenn die Modems ab 2008 in Form von Chip-Sets zur Verfügung stehen und von den Laptop-, Palmtop- oder Smartphone-Hersteller direkt in das Gerät eingebaut werden, wie dies heute schon mit WLAN-Chip-Sets der Fall ist.

Vorgehen bei der Einführung von Breitbanddiensten
Der erste Schritt sollte generell sein, dass sich jeder Unternehmer und jede Führungskraft selber mit den Möglichkeiten der Breitbandtechnik auseinander setzt und zumindest für sich persönlich einen Breitbandzugang nutzt. Dies gibt ein erstes Gefühl für die Möglichkeiten der Technik.

Der Einsatz der Breitbandtechnik ist kein Selbstzweck und vor der Entscheidung zum Einsatz im Unternehmen sollte eine auf die Applikation und den Geschäftprozess gerichtete sorgfältige Analyse stehen.

Dabei sind u.a. folgende Fragen zu klären:

· Für welche Anwendung setze ich heute schon Breitbanddienste ein?

· Welche Geschäftsprozesse lassen sich unter Anwendung von breitbandigen Zugängen effizienter gestalten?

· Können Standardanwendungen eingesetzt werden oder ist eine individuelle Programmierung erforderlich?

· Welche Bandbreiten und Verfügbarkeiten werden heute und zukünftig benötigt?

· Wie skalierbar müssen die Anschlüsse ausgelegt werden?

· Sollen verschiedene Anwender zu einem VPN zusammen gefasst werden?

· Gibt es Anwender, die mobil oder an häufig wechselnden Standorten Datenzugriff benötigen?

· Welche Netze (Inhouse-Netze, externe Betreiber, WLAN-Hotspots, ...) sollen angeschlossen werden?

· Welche Inhouse-Versorgung ist beim Einsatz von funkgestützten Diensten erforderlich und machbar, sind externe Antennen erforderlich?

· Welchen Sicherheitsstandard brauchen ich für welche Daten?

· Wer darf auf Daten lesend zugreifen und wer darf Datenbestände ändern?

· ...

Für geschäftliche Anwender und Betreiber empfiehlt sich vor einer Entscheidung die Einholung neutraler Beratung bei der unabhängigen Analyse der Geschäftsprozesse und des Geschäftsmodells. Änderungen von Geschäftsprozessen und System-Entscheidungen, die über den Vertrag zu einem Standard-Breitband-Anschluss hinaus gehen, haben längerfristige Konsequenzen und sollten abgesichert werden. Dabei darf insbesondere nicht an der entsprechenden Sicherheitstechnik gespart werden.

Fazit
Es gibt für kaum ein Unternehmen heute noch Gründe, Breitbanddienste nicht zu nutzen. Für nahezu jede Branche und jedes Unternehmen ergeben sich durch den Einsatz von Breitbandlösungen Wettbewerbsvorteile. Die Einsatzgebiete und die Integration in bestehende Netze und Applikationen müssen allerdings sorgfältig geplant und professionell umgesetzt werden. Dabei ist insbesondere dem Sicherheitsaspekt besondere Aufmerksamkeit zu geben.

Die Auseinandersetzung mit den Optimierungsmöglichkeiten im eigenen Geschäftsprozess kann dazu beitragen, dass sowohl das Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung von Breitbanddiensten als auch die Penetrationsrate weiter ansteigt. Dem Wirtschaftsstandort Deutschland und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nützt dies auf alle Fälle! Welche Zugangstechnologie dabei eingesetzt wird, ist dabei sekundär.

   

Dr. rer. nat. Jürgen Kaack

STZ-Consulting Group

“Beratung und Coaching vom Unternehmer für Unternehmer”

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