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Internettelephonie findet Einzug beim Mittelstand


VoIP für den Mittelstand

VoIP – die Wunderwaffe zum Sparen bei der Telephonie oder eine Nischenlösung für Internet-Freaks?

Meinungen und Kommentare über VoIP gehen weit auseinander. Die Ursache ist, dass es nicht die VoIP-Lösung gibt und die Vorteile in der Anwendung stark vom jeweiligen Anwendungsfall abhängen!

Dabei bietet die Internettelephonie mehr Möglichkeiten zur Optimierung von Geschäftsprozessen und zur Integration von unterschiedlichen Anwendungen und Systemen. Aber eine Einführung erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und geht nicht von alleine. Im geschäftlichen Umfeld ist VoIP fast nie ein "plug-and-play" Produkt!

VoIP (Voice over Internet Protocol) wird immer wieder in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen diskutiert und einmal mehr unter dem Aspekt der Kosteneinsparung gesehen und dann wieder unter dem Aspekt der Diensteintegration zwischen Sprache und Daten. Im Bereich der unternehmensinternen Kommunikation gerade zwischen Standorten ist VoIP bereits heute fest etabliert (Stichwort IP-VPN: IP-basierte Virtual Private Networks). Dabei ist der Kostenaspekt für die Investition nur ein Argument unter mehreren, mindestens ebenso wichtig ist die Übermittlung von spezifischen Dienstemerkmalen, die Umsetzung von speziellen Dienstemerkmalen und die sichere Verbindung. In der professionellen Anwendung ist u.a. die Möglichkeit zur gleichzeitigen Übermittlung von Dateien während des Gespräches ein wichtiges Merkmal.

Auch für Call Center Betreiber wird heute kaum noch ein Weg an VoIP vorbei führen, wenn es um eine Neuausrüstung geht. In Verbindung mit einer virtuellen Nebenstellenanlage, einer ACD (Automatic Call Diversion) und den anderen Komponenten ist VoIP hier in vielen Fällen aufgrund der flexibel einstellbaren Ablaufprogramme für diese Anwendung die optimale Wahl.

Für den Soho und den Privatnutzer ist VoIP heute in erster Linie dann interessant, wenn auf diesem Wege andere VoIP-Nutzer erreicht werden können, z.B. in einer Internet-Community. Da diese Gespräche in vielen Fällen kostenfrei sind, ergibt sich in diesem Fall ein eindeutiger Kostenvorteil. Hierbei sind auch die einfachen und komfortablen Konferenzmöglichkeiten zwischen mehreren Nutzern wichtig. Diese Argumente sind auch die Treiber für den Erfolg solcher Anbieter wie z.B. Skype. Bei der Nutzung von VoIP zur Herstellung von Verbindungen mit Festnetz- oder Mobilfunkanschlüssen, geht der vermeintliche Kostenvorteil oft wieder verloren, da der Anbieter ein Gateway (z.B. von SIP- auf SS7-Protokoll) einrichten und betreiben muss und außerdem die "normalen" Interconnection-Gebühren für Netzübergänge und Terminierung berechnet werden. Die Terminierung von Gesprächen stellt auch für den VoIP-Anbieter einen Kostenfaktor dar, denn er muss diese Leistung von den Anschlussnetzbetreibern (z.B. der Deutschen Telekom oder den Mobilfunknetzbetreibern) einkaufen.

Mit den heute angebotenen intelligenten Adaptern zwischen dem DSL-Anschluss und dem Telefonendgerät kann dieses Problem der unterschiedlichen Kosten je nach angerufenem Ziel weitgehend gelöst werden, da eingestellt werden kann, wann welche Verbindung genutzt werden soll. Mit deutlichen Kosteneinsparungen im Bereich der nationalen Festnetztelephonie durch VoIP ist allerdings nicht zu rechnen, da die aktuellen Preise im internationalen Vergleich schon sehr niedrig sind! Anders sieht dies aber bei internationalen Gesprächen aus! Da der VoIP-Anbieter seine Gespräche über IP-Protokolle bis in die jeweiligen Länder übertragen kann, ist er in der Lage, internationale Gespräche kostengünstig an zu bieten, wenn er über Gateways zum Festnetz in den jeweiligen Ländern verfügt. In diesem Fall muss er im wesentlichen nur die Terminierung im jeweiligen Zielland als Kosten berücksichtigen. Auf diesem Wege sind dann erhebliche Kosteneinsparungen gegenüber der herkömmlichen leitungsvermittelten Telephonie möglich. Allerdings ändern sich die Preise in diesem Segment auch häufig, so dass der Nutzer die Preislisten der VoIP-Anbieter regelmäßig überprüfen sollte.

Wenn man davon ausgeht, dass die leitungsvermittelte Netzinfrastruktur bis zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL), wie sie heute z.B. für die Sprachvermittlung von ISDN genutzt wird, in Zukunft von paketvermittelten Netzen auf der Basis von IP-Protokollen abgelöst wird, dann entfallen möglicherweise die heute notwendigen Gateways und Protokoll-Konverter, so dass die Netzinfrastruktur insgesamt durchgängiger wird. Damit wird sich der Grundsatzkonflikt zwischen einer "normalen" leitungsvermittelten Sprachverbindung und einer VoIP-Verbindung möglicherweise ganz erübrigen. In der Zwischenzeit (die zu erwartende Umstellung wird einige Jahre in Anspruch nehmen) kann die Entbündelung der Leistungen auf der Anschlussleitung einen deutlichen Schub für VoIP geben. Wenn der Anschlussnetzbetreiber entbündelte Leistungen anbietet, muss der Verbraucher nicht mehr einen Telefonanschluss (analog oder ISDN) erwerben, wenn er nur einen DSL-Anschluss benötigt, so dass die monatlichen Grundpreise sinken. Möglicherweise reichen für viele Anwender je ein DSL- und ein Mobilfunkanschluss für die Kommunikationsbelange im täglichen Leben aus.

Auch im Mobilfunk kann VoIP eine Rolle spielen. In UMTS-Netzen mit Breitband-Datenübertragung von heute bis 384 kBit/s (zukünftig vielleicht auch bis 2 MBit/s) und der Möglichkeit des Internetzugangs besteht grundsätzlich die Möglichkeit zur Nutzung von VoIP. Vodafone und e-plus versuchen zwar gerade, diese Anwendung zu verhindern, da hierdurch deutliche Umsatzeinbußen die Folge sein können. Es erscheint aber zweifelhaft, ob dies langfristig gelingen wird. Die Möglichkeit zum Surfen im Internet, Abruf und Senden von E-mails und die Nutzung von VoIP können die Verbreitung von UMTS im Gegenzug stark fördern. Mit einer Daten-Flate-Rate sind die Kosten für eine solche Nutzung überschaubar. Allerdings ist die VoIP-Nutzung im Mobilfunk heute noch anfällig für Bandbreiten-Schwankungen, z.B. bei der Nutzung in Bewegung. Sollte sich VoIP zukünftig auch im Mobilfunk durchsetzen, dann braucht der Durchschnittsanwender vielleicht nur noch eine Telefonnummer – die VoIP-Nummer!

Bei der Beschäftigung mit VoIP ist zu beachten, dass es kein einheitliches und standardisiertes Verfahren zur technischen Umsetzung gibt. Viele Anbieter bedienen sich des SIP-Protokolls, aber es ist noch nicht ab zu sehen, welches Protokoll sich langfristig durchsetzen wird. In der Anwendung von VoIP gibt es zudem noch einige Restriktionen, die auf eine technische Lösung warten. Dies ist die Einrichtung von Notrufnummern, die Umsetzung von Servicerufnummern, die Abhörsicherheit sowie die Rückverfolgbarkeit und das Abhören von Rufnummern. Die Entwicklung des VoIP-Dienstes ist also in einigen Bereichen noch im Fluss und weitere Neuerungen sind zu erwarten. Das sollte den Anwender, der bereits heute Vorteile aus der Anwendung ziehen kann, nicht von einer Nutzung abhalten.

Gerade vor dem Hintergrund der ab zu sehenden Umstellung von leitungs- zu paketvermittelten Kommunikationsnetzen bekommt VoIP tatsächlich eine ganz andere Bedeutung als diejenige eines „Kostensparvehikels“! Und bei Betrachtung des Kundennutzens gilt immer noch, dass die bei weitem meisten Nutzer eine einfache, kostengünstige Sprachverbindung in guter Qualität suchen - egal über welches Netz und gleichgültig über welche Protokolle!

   

Dr. rer. nat. Jürgen Kaack

STZ-Consulting Group

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